Alice Holzhey: “Daseinsanalyse”
Wien 2008 (UBT 2966)
In einem Doppelband der UTB-Reihe über die Hauptströmungen der
Psychotherapie erschien vor kurzem Alice Holzheys umfassende, historisch-systematische Darstellung der Daseinsanalyse, zusammen mit Alfried Längles Darstellung der Existenzanalyse. In einem den Band einleitenden Gespräch erörtern die beiden Autoren Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Dieses Gespräch wird hier abgedruckt.
Was ist das jeweils ‚Eigene’ der Existenzanalyse und Daseinsanalyse?
Längle: Viktor Frankl, der Begründer der Existenzanalyse, sah im Einbeziehen der Sinnsuche des Menschen in die Psychotherapie das Zentrale seiner Richtung. Der Mensch will nicht einfach Bedürfnisse befriedigen, er will in erster Linie verstehen, wofür er lebt, und kann ein Leiden nur ertragen, wenn er ein ‚Wozu’ hat. Frankl sprach darum mehr von der „Logotherapie“ – wobei ‚Logos’ soviel wie ‚Sinn’
bedeutet. Logotherapie war für ihn „Ergänzung der herkömmlichen Psychotherapie“,
was sich in den 1920er und 1930er Jahren natürlich nur auf Freud und Adler bezog.
Holzhey: Bei Freud möchte ich gerne anknüpfen. Das „Eigene“ der Daseinsanalyse kann man nur in Bezug auf die Psychoanalyse formulieren. Etwas überspitzt könnte man sagen, dass die Daseinsanalyse das Produkt eines Zusammendenkens von Freud und Heidegger (plus Sartre) ist. Die Daseinsanalyse nimmt die Ent- deckungen Freuds auf und stellt sie in den Zusammenhang der existenziellen Grundsituation des Menschen. Diese besteht darin, dass wir Menschen nicht einfach (wie alles Lebendige) unabänderlichen Seinsbedingungen unterworfen sind, sondern dass wir um diese insgeheim auch wissen, sodass unsere Lebensführung immer von diesem Wissen um die conditio humana mitbestimmt ist, auch wenn
wir gar nicht ausdrücklich darüber nachdenken.
Längle: Das bezieht sich ja auf einen ähnlichen Sachverhalt wie bei Frankl, wenn er sagt, daß der Mensch verstehen will, wozu er etwas macht oder erleidet – eben den Sinn sucht, wie es in der Logotherapie heißt.
Holzhey: Ja, darin liegt eine Übereinstimmung. Nur dass die Daseinsanalyse das Gewicht darauf legt, dass dem Menschen, wenn er verstehen will, wozu er „etwas“ macht, immer die unheimliche Frage in die Quere kommen kann, wozu er überhaupt irgend etwas macht, wozu er überhaupt auf der Welt ist, ob das Leben im Ganzen Sinn hat.
Und hier liegt möglicherweise ein wichtiger Unterschied, den ich versuchsweise so formulieren möchte: Die Existenzanalyse basiert auf der Überzeugung, dass der Mensch nicht nur immer nach irgendeinem Sinn sucht, sondern nach einem guten“ Sinn, und dass er diesen Sinn auch wirklich finden kann, weshalb du ja im Buch von „sinnerfüllter Existenz“ sprichst. Die Daseinsanalyse geht nicht so weit, sie sieht in der Sinnfrage eher eine Urfrage, die den Menschen umtreibt, die aber letztlich immer eine Frage bleibt und die den Menschen auch zu überaus zerstörerischen Lebensentwürfen verführen kann.
Längle: Es ist interessant, wie schnell sich Unterschiede auftun, obwohl wir das gleiche Thema behandeln. Wir sehen die Sinnfrage als existentielle Frage und somit auch als „Urfrage“, die im Alltag oft relativ klar ist, aber manchmal sehr unter den Fingern brennen kann. Nach Sinn fragen heißt in der Existenanalyse und Logotherapie, nach dem fühlbaren Wert zu suchen, den etwas – eine Handlung, ein Erleben, ein Erleiden – für mich persönlich hat.
Nun möchte ich aber doch auf die heutige Existenzanalyse zu sprechen kommen, die ja durch die Weiterentwicklungen zu einer eigenständigen Psychotherapie geworden ist. Das „Eigene“ der Existenzanalyse würde ich darin sehen, dass sie ernst macht mit dem zentralen anthropologischen Verständnis der Freiheit des Menschen und dass sie Hilfestellung anbietet, um mit Entschiedenheit zu leben.
Das Gemeinsame
Holzhey: Vielleicht können wir hier ein paar Worte zum Gemeinsamen der beiden Richtungen einfügen? Ich würde sagen, was uns verbindet, ist zunächst einmal, dass wir uns für unser Menschenbild auf die Existenzphilosophie beziehen und dass uns das hilft, seelisches Leiden nicht auf Störungen zu reduzieren, sondern das Individuum mit seiner individuellen Problematik in den Mittelpunkt zu stellen.
Längle: Ich sehe das ganz ähnlich. In meiner Formulierung würde ich die gemeinsame Grundlage der beiden Richtungen in der verstehenden Daseinsgestaltung sehen. Die Beschäftigung mit dem damit verbundenen Leiden und der unaufhebbaren Unfertigkeit und Begrenztheit könnten wir vielleicht als Grundlage unserer
Psychotherapien ansehen.
Holzhey: Ich finde mich nicht ganz in der Formulierung der „Daseinsgestaltung“, obwohl ich gut verstehe, was Du meinst: daß wir nicht einfach gelebt werden, sondern daß wir das Leben selbst-verantwortlich zu führen haben…
Längle:…uns ständig zu entscheiden haben, und damit jede Situation gestalten…
Holzhey: … und so immer vor der Wahl stehen. Das wäre sicher etwas Gemeinsames. Aus daseinsanalytischer Sicht würde ich aber zu bedenken geben, dass jede Entscheidung für eine Möglichkeit den Verzicht auf andere Möglichkeiten einschließt und wir überdies nie sicher sein können, ob sich die Entscheidung nicht später als Fehlentscheid herausstellen wird. Darum konfrontiert uns paradoxerweise sogar das freie Wählen-Können mit unserer Endlichkeit.
Längle: Die Endlichkeit menschlichen Existierens wird von Heidegger in der Tat besonders betont, und ich kann dem ganz zustimmen. Hier haben wir die gleiche Denktradition der Existenzphilosophie als Grundlage, in der die Tragik der menschlichen Existenz nicht nur nicht übergangen wird, sondern als möglicher Weg zu ihrer Vertiefung angesehen wird. – Doch werden hier auch unterschiedliche
Gewichtungen zwischen Daseinsanalyse und Existenzanalyse deutlich. In der Existenzanalyse steht die Konfrontation mit der Endlichkeit und Sterblichkeit im Hintergrund der Arbeit, und der Einsatz der Freiheit und Verantwortung, das Selbstsein im Vordergrund.
Schwerpunkte im Menschenbild
Holzhey: Mir scheint, dass unser bisheriges Gespräch bereits gezeigt hat, dass wir trotz des gemeinsamen Bezugs zum existenz-philosophischen Menschenbild unterschiedliche Schwerpunkte setzen.
Längle: Ja, das dürfte auf jene Unterschiede verweisen, die aus dem gemeinsamen existentiellen und phänomenologischen Fundament verschiedene Richtungen werden ließen. – Wo siehst Du den Schwerpunkt im daseinsanalytischen Menschenbild?
Holzhey: Für unsere beiden Richtungen steht der Begriff der Existenz im Zentrum, aber es könnte sein, dass wir schon hier andere Akzente setzen. In der Daseinsanalyse steht das existenziell gelebte Selbstverhältnis im Mittelpunkt. Existieren beinhaltet im daseinsanalytischen Verständnis immer, um sich selber zu wissen, und zwar nicht nur um sich selber als dieses konkrete Individuum, sondern
zugleich auch um die conditio humana, also um die Sterblichkeit, um
Freiheit und Schuld, um die Unverfügbarkeit der Zukunft usw. Hier kommt nun für die Daseinsanalyse die Angst ins Spiel – die Angst im Unterschied zur Furcht. Denn diese Grundbedingungen des Lebens werden ursprünglich in der Angsterfahrung „gewußt“. Der Mensch fühlt sich dadurch in seinem Menschsein.bedroht. Das beinhaltet das Paradox, dass das, was den Menschen auszeichnet, nämlich seine Offenheit für das eigene Sein, ihn zugleich gefährdet.
Längle: In der EA wird das Menschenbild sicherlich positiver gesetzt. In unserer Arbeit geht es darum, in den einzelnen Lebenssituationen sich selbst zu sein, bzw. zu bleiben oder zu werden. Sich selber sein können, kongruent mit sich, sich fühlend und in Übereinstimmung mit sich sein, auch wenn wir unter dem Einfluß äußerer Eindrücke stehen. Unser Erleben nicht abdrängen zu müssen, innerlich Stellung beziehen zu können und so den inneren Boden zu halten, schafft die Grundlage der Existenz. Wenn es dann gelingt, das Eigene in einen Ausdruck
überzuführen und so in die Begegnung mit anderen zu kommen, kann der Mensch sein Leben persönlich erfüllend leben. Daß damit Gefahren und ein mögliches Scheitern verbunden sind, gehört dazu. Aber wir wenden das Bild so, daß die Möglichkeiten und Angebote des Lebens im Vordergrund stehen, weil die schließlich zählen.
Holzhey: Warum könnt ihr in der Existenzanalyse einen so positiven Schwerpunkt legen, wo ihr doch auf dem Boden der Existenz-philosophie steht? Das kennen wir sonst vom angeborenen Selbstrealisierungsstreben in der humanistischen Psychologie von Carl Rogers.
Längle: Das Konzept der Freiheit ist aus unserer Sicht in seiner Grundlage ein positives Konzept, weil der Wille (er gilt als die personale Realisierung der Freiheit) nur anstreben kann, was wir subjektiv als wertvoll ansehen. Man kann nur etwas Positives wollen, etwas, was man als positiv ansieht (auch wenn es andere nicht so sehen oder man selbst es später anders sieht). Aber warum herrscht in der DA
diese eher dramatische Sicht des Menschen vor?
Holzhey: Da möchte ich eine ganz provokative Gegenfrage stellen: Sind denn nicht auch die größten Verbrechen der Menschheit dem Willen entsprungen, ein subjektiv wertvolles, also vermeintlich positives Ziel anzustreben? Mir scheint, dass schon ein kurzer Blick auf die Weltgeschichte eine dramatische Sicht auf den Menschen nahelegt. Ich bin aber froh, dass Du nicht von einem „pessimistischen“
Menschenbild der Daseinsanalyse sprichst, sondern die Worte „tragisch“ oder „dramatisch“ verwendest. Die Daseinsanalyse geht im Unterschied zur Psychoanalyse nicht von einem angeborenen Aggressionstrieb aus. Sondern sie geht davon aus, dass das Wissen um die eigene Endlichkeit dem Menschen eine (zu) große Last aufbürdet, sodass er (zu) oft dem illusionären Glauben erliegt, er müsse nur die entsprechenden (gewaltsamen) Mittel einsetzen, um sich von dieser
Last ein für allemal zu befreien.
Längle: Natürlich geschieht unter vermeintlichem Sinn auch Schlimmes. Millionen Menschen sahen mit Hitler damals in der ‚Endlösung’ der Judenfrage etwas Positives. Um es im Alltäglichen anzusiedeln: Ich selbst habe auch schon öfters etwas Dummes gemacht, das mir im Augenblick aber wert genug war, dass ich
es tat. Subjektiv und situativ etwas als erstrebenswert (wertvoll) ansehen, heißt ja noch nicht, dass es auch gerechtfertigt wäre. Die Beurteilung (Ethik) ist noch eine weitere Ebene über das Angesprochen-sein hinaus. Dennoch kann Sinn handlungsanleitend
sein. Das ist gerade der existentielle Wert von Sinn, daß er uns
Orientierung ermöglicht.
Du führst dann weiter aus, daß die Daseinsanalyse den Menschen durch sein Wissen um seine Endlichkeit als existenziell überfordert ansieht, weshalb ihr diese eher „tragische“ Sicht des Menschseins habt. Schon Freud meinte, daß Glück in der Schöpfung nicht vorgesehen sei. Nun, in der Existenzanalyse sehen wir den
Menschen als dem Leben gewachsen und grundsätzlich in der Lage, auch glükklich zu werden. Und dies trotz „Leid, Schuld und Tod“, der unvermeidlichen „tragischen Trias eines jeden Lebens“ (Frankl). Warum auch soll die Endlichkeit eine untragbare Last sein? Wenn wir das Leben ganz leben, dann kann die Endlichkeit auch Befreiung sein, dann nämlich, wenn man sich „sattgelebt“ hat und in Ruhe gehen kann.
Die zentrale Rolle der Phänomenologie in Existenzanalyse
und Daseinsanalyse
Längle: Mir scheint eine weitere Gemeinsamkeit der beiden Richtungen in der Rolle der Phänomenologie zu liegen. Für die EA stellt die Phänomenologie die geeignete Methode dar, um die Person in den Blick zu bekommen. Damit wird eine Art Quadratur des Kreises versucht: methodisch etwas in den Blick zu bekommen, das per definitionem frei ist und daher nicht festgehalten werden kann. Wenn die Person schon nicht festgeschrieben werden kann, so kann ihr aber doch begegnet werden. Sie in einer professionell geübten Haltung antreffen
zu können, dafür ist die Phänomenologie eine ausgezeichnete Basis.
Holzhey: Dem kann ich zustimmen. Nun versteht man unter Phänomenologie oft die methodische Anweisung, sich auf das zu beschränken, was sich unmittelbar zeigt. Befolgt man diese Devise aber im Bereich der Psychopathologie, dann fällt man notwendig hinter Freud zurück in eine bloße Beschreibung krankhafter Be-einträchtigungen. Hier hilft Heidegger weiter, der in seinem Hauptwerk Sein und Zeit erklärt, das phänomenologische Sehen sei ein „Auslegen“, und es gehe darum, verstehend-auslegend jene Phänomene aufzudecken, die zunächst und zumeist „verborgen“ seien. Nimmt man das ernst, dann kann man die Phänomenologie nicht mehr gegen Freuds Postulat einer Aufdeckung unbewusster Motive ausspielen. Dann muss man gegenüber Freud nur noch darauf insistieren, dass Deutungen nicht einfach aus der Theorie abgeleitet werden dürfen, sondern sich an den Phänomenen zu
bewähren haben.
Längle: Besteht hier nicht ein grundsätzlicher und ganz wesentlicher Unterschied zur Psychoanalyse? Phänomenologie beschränkt sich ja doch auf das, was sich unmittelbar zeigt – alles andere wäre bereits Interpretation, Hineintragen von Fremdwissen in das Geschaute. Die Psychoanalyse spricht von Deuten. Wir müßten doch sagen, daß das Resultat einer phänomenologischen Vorgehensweise ein Verstehen ist und nicht ein Erklären oder Deuten.
Holzhey: Für mich sind die Begriffe „Verstehen“, „Auslegen“, „Interpretieren“ und „Deuten“ nicht streng voneinander zu unterscheiden. Ein phänomenologisches Verstehen oder Deuten weiß sich prinzipiell als vorläufig und gründet in erster Linie im genauen und möglichst unvoreingenommenen Hinhören auf das, was der Patient sagt. Darin liegt für mich kein grundsätzlicher Unterschied zur
Psychoanalyse.
Vom Sinn des Leidens
Längle: Wir hatten eingangs schon vom Sinn gesprochen, doch würde ich gerne auf ein Thema zu sprechen kommen, das mir für das psychotherapeutische Verständnis der beiden Richtungen wichtig scheint: ihr sprecht in der Daseinsanalyse davon, daß das seelische Leiden einen „ontologischen Sinn“ hat. Was meint ihr damit?
Holzhey: Ich bin froh um diese Frage, weil die Rede von einem ontologischen Sinn missverständlich sein kann. Mit „ontologischem Sinn“ ist nur gemeint, dass seelisches Leiden in daseinsanalytischer Sicht immer auch als ein Leiden am eigenen Sein zu interpretieren ist.
Längle: In der Existenzanalyse herrscht ein existentielles Verständnis von Sinn vor. Dies meint, dass Sinn eine Orientierung gibt für Entscheidungen. Damit hat dieses Sinnverständnis eine praktische Funktion. Und die psychische Krankheit hat z.B. den
allgemeinen Sinn, dass sie auf ein Defizit hinweist, das im Leben dieses Menschen vorherrschte und den Menschen zu einer größeren Zuwendung zu diesem nicht verstandenen Mangel in einer der Grundbedingungen der Existenz drängt. Das ist ein genereller Sinn von seelischen Störungen, den wir in der EA sehen und der für
jedes darüber hinausgehende, persönliche Sinnverständnis offen ist. Damit kann eine Krankheit von der betroffenen Person als sinnvoll erlebt werden, weil sie sehen kann, was die Krankheit schützt, und der Person zugänglich wird, was sie tun kann.
Holzhey: Daseinsanalytisch stößt man dann auf den ontologischen Sinn seelischen Leidens, wenn man von der Frage ausgeht, woran der seelisch Leidende eigentlich leidet. Mit der Frage nach dem Woran seelischen Leidens wird nämlich die gängige Gleichsetzung von seelischem Leiden und seelischer Beeinträchtigung, die auch die Existenzanalyse offenbar teilt, zurückgewiesen. Für die Daseinsanalyse hat nicht die seelische „Krankheit“ einen ontologischen Sinn,
sondern das, was man gemeinhin als „Krankheit“ nimmt, erweist sich als ein „ontologisches Leiden“, das heißt, als ein Leiden an der Abgründigkeit menschlichen Existierens. Das Besondere des daseinsanalytischen Ansatzes liegt also darin, seelisches Leiden nicht mit einem „zu wenig“ (Beeinträchtigungen, Defizite, Misslingen), sondern mit einem „zuviel“ in Verbindung zu bringen, nämlich
einer zu großen Hellhörigkeit oder Hellsichtigkeit für die beängstigende
Grundsituation menschlichen Existierens. Je hellhöriger ein Mensch für die abgründigen, existenziellen Wahrheiten ist (Endlichkeit, Freiheit, Ungeborgenheit, Schuld), je weniger er diese im Alltagsbetrieb ‚vergessen’ kann, umso größer ist die Gefahr, dass er seelisch „erkrankt“.
Längle: Es ist eine große Frage, vor der wir da stehen: „Woran leiden wir, wenn wir depressiv sind, Angst haben, süchtig sind?“ In der Existenzanalyse setzen wir im Vergleich dazu eher bescheiden an: wir leiden daran, daß wir nicht tun können, was wir als wichtig ansehen, nicht frei sind, unserem Wollen nachzugehen. Wir leiden am Gefängnis des Nicht-uns-selbst-sein-Könnens, des Nicht-in-offenen- Dialog-treten-Könnens. Wir leiden, weil wir das, was wir als wertvoll ansehen, nicht ausreichend tun können, und damit unsere Existenz in dem verfehlen, was wir im inneren Vorweg bereits spüren, was sie sein könnte.
Schluss:
Längle: Unser Gespräch zeigt mir, wie unterschiedlich existentielle Grundhaltungen verstanden und umgesetzt werden können. Wichtig scheint mir, daß sowohl Existenzanalyse wie Daseinsanalyse den Gedanken der verantwortlich gelebten Freiheit wachhalten. Und darum sind unsere Richtungen auch „Analysen“: Existenzanalyse als Analyse der Bedingungen, um zu erfüllter Existenz zu gelangen…
Holzhey: … und Daseinsanalyse als Analyse im psychoanalytischen Sinne eines Verstehensprozesses, der frei werden lässt für neue Existenzmöglichkeiten.
